Von Tag zu Tag strömen mehr und mehr romulanische Flüchtlinge in den Föderationsraum. Wenn gleich die taktischen Karte einem das Gefühl vermittelt, dass es eine klare Front in diesem Bürgerkrieg gibt, scheint das Chaos allgegenwärtig zu sein. Auf jedem Planeten, wo Remaner gelebt haben, kam es auf die eine oder andere Weise zu Verwüstungen. Zivilisten und Familien, die sich nicht mehr sicher fühlen, erhoffen in der Föderation Zuflucht zu finden… Der Gewalt zu entgehen, die allgegenwärtig ist. Jede Sternenbasis an der Grenze hat mittlerweile Auffanglager eingerichtet, doch wird man den stetig wachsenden Zahlen kaum gerecht. Alleine bei uns auf Sternenbasis 11 sind es mittlerweile mehrere zehntausende Romulaner. Tendenz steigend.
Zahlenmäßig mögen die Remaner deutlich in der Minderzahl sein, doch ihre Entschlossenheit, Stärke und Widerstandsfähigkeit machen sie zu den perfekten Kriegern. Rückzug ist kein Wort, welches die Remaner zu kennen scheinen. Es dürfte also nun mehr genau das eingetreten zu sein, was die Romulaner immer befürchtet haben… Warum sie die Remaner über all die Jahrhunderte unterdrückt haben. Jetzt wo sie an einem Strang ziehen, sind sie eine Kraft, die kaum zu stoppen ist. Noch weniger, solange das romulanische Militär gespalten ist.
Aktuell gibt es hier zwei Seiten. Die Admiral Sela und Praetorin Donatra unterstützende imperiale Marine. Und der konservative Teil, der sich hinter Admiral Trumpor vereinigt hat. Der ohne jede Gnade die remanische Bedrohung auslöschen möchte, vor allem, solange diese im Besitz einer Thalaronwaffe sind. Eine Waffe, die ihnen Motiv und Rechtfertigung gibt, diplomatische Lösungen abzulehnen. So wie ich es verstehe, ist der Besitz der Thalaronwaffe für Trumpor eines der Hauptargumente, um den weniger aggressiven Weg Donatras abzulehnen. Und nach dem Desaster von Xi Hydrae haben sich beide Parteien nur noch weiter entfremdet. Die Lösung, die sie nun mehr gewählt haben, erscheint mir etwas kindisch und wenig zielführend. Doch könnten sie so zumindest vermeiden, aneinander zu geraten. Trumpors Kräfte haben sich bei Gamma Crucis und Delta Hydri gesammelt und konzentrieren sich auf die Verteidigung der nördlichen Sektoren. Die imperiale Navy konzentriert sich auf die Verteidigung der Sektoren um Beta Volantis und Mu Horologii. Alles, was die Romulaner haben, wird nun dort gebunden. Wenn die romulanischen Flotten denen der Remaner jetzt unterliegen, wird es nichts mehr geben, was die Remaner aufhält.
Es fällt mir weiterhin schwer zu akzeptieren, dass wir uns in dieser Sache nicht einmischen können. Würde die Sternenflotte die romulanische Verteidigung verstärken, würden wir den remanischen Fortschritt zumindest aufhalten können. Und somit Zeit gewinnen, um an einer diplomatischen Lösung zu arbeiten. Doch solange die Remaner die Oberhand haben und die Romulaner zerstritten sind, werden wir sie kaum an den Verhandlungstisch bekommen. Erst recht nicht, solange die Remaner noch ein weiteres Ass in der Hinterhand haben: Die gestohlene Thalaronwaffe. Wenn gleich die Remaner sie bisher noch nicht eingesetzt haben, gibt es ihnen doch ein Instrument der Abschreckung. Eine Massenvernichtungswaffe, die nicht nur durch ihre bloße Zerstörungskraft ein Problem für uns darstellt, sondern auch durch ihre symbolische Wirkung. Durch die Tatsache, zur Spaltung der Romulaner beizutragen, indem sie Trumpor ein nicht von der Hand zu weisendes Argument verschafft, seinen Weg zu verfolgen.
Ich habe die letzten Tage intensiv über dieses Problem nachgedacht. Habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was hier das Richtige ist. Ich bin davon überzeugt, dass es falsch ist, sich aus diesem Konflikt rauszuhalten. Dass es falsch ist, den Remanern zu erlauben, weiterhin im Besitz einer solchen Waffe zu sein. Vor allem, da indirekt wir dafür verantwortlich sind, dass es ihnen gelungen ist. Daher habe ich einen Entschluss gefasst, der möglicherweise meine Karriere beenden könnte… Aber zumindest mein Gewissen beruhigen wird. Ich habe mich entschlossen, die Bedrohung durch Thalaronwaffen ein für allemal zu beenden.
Nach einem längeren Gespräch mit Praetorin Donatra ist sie damit einverstanden, das Endlager auf Devoras endgültig zu zerstören. Und damit alle Thalaronemitterkristalle, die im Imperium existieren. Um das sicherzustellen, werde ich die Vengeancen dorthin beordern, um die Vernichtung des Endlagers zu überwachen. Im Gegenzug werde ich mit der Odyssey ins remanische Gebiet vorstoßen, um die remanische Thalaronwaffenfertigungsanlage zu zerstören. Geheimdienstinformationen zufolge befindet sich diese im Zeta Volantis System. In einer unterirdischen Anlage, die unterhalb einer von den Remanern besetzen romulanischen Siedlung liegt. Wenn es uns gelingt, die Thalaronwaffe zu zerstören, wird dies Trumpor den Wind aus den Segeln nehmen. Und Donatra die Chance geben, ihr gespaltenes MIlitär wieder zu einen. Doch wird das Timing entscheidend sein. Wir müssen abwarten… Warten bis die Remaner ihre nächste Großoffensive starten. Sobald ihre Streitkräfte im Gefecht gebunden sind, dürfte die Gegenwehr bei Zeta Volantis minimal sein. Hoffen wir nur, dass ich diese Entscheidung nicht bereuen werde. Und dieser Bürgerkrieg endet, bevor nichts mehr vom einst so stolzen romulanischen Sternenimperium übrig ist.
Logbuch Nachtrag, 09.04.2407
Auf Anraten von Bastian Erricson habe ich zwischenzeitlich mit Admiral Riker auf der Erde gesprochen. Er kann offenbar meinen Wunsch einzugreifen nachvollziehen, kann mich in meinem Vorhaben allerdings nicht unterstützen, da es aktuell außerhalb seiner Zuständigkeit liegen würde. Als Verantwortliche vor Ort sei das viel mehr meine Entscheidung, die ich später gegenüber dem Sternenflottenkommando rechtfertigen muss. Er hat mir geraten, die geplante Intervention aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Nicht als Eingriff in den internen Konflikt einer souveränen Nation. Sondern als Neutralisierung einer illegalen Waffentechnologie, die die Sicherheit der Föderation bedroht. Unter dem Aspekt würde ich die Oberste Direktive nicht verletzen, auch wenn eine solch… militärische Herangehensweise wohl kaum bei allen gut ankommen wird. Und zumindest würde ich meine Karriere nicht gegen die Wand fahren.
Erfreulich ist, dass die internen Untersuchungen im Sternenflottenkommando keine weiteren Verbindungen zum Tal’Shiar aufgezeigt haben. Der Neuaufbau der Führungsebene des SFC kommt wohl in die heiße Phase und wie mir Will verraten hat, scheint der Präsident Botschafter Picard als neuen Oberkommandierenden ins Auge gefasst zu haben. Dies nicht nur wegen seiner Leistungen in der Vergangenheit, sondern vor allem, weil er entscheidend dazu beigetragen hat, Ordnung in das Chaos auf der Erde zu bringen. Noch steht nicht fest, ob er tatsächlich reaktiviert und auf den höchsten Posten in der Sternenflotte gesetzt wird. Aber ich muss sagen, dass ich eine der ersten wäre, die seine Ernennung begrüßen würde.
