Ausgabe 494 – 1. Halbjahr 2408

Artikel 1: Mit metaphasischer Strahlung zur ewigen Gesundheit?

Seit drei Jahrzehnten arbeiten mehrere Forschungsgruppen auf 6 Welten der Föderation an den phantastischen regenerativen Eigenschaften der metaphasischen Strahlung für humanoide Lebewesen. Während diese Eigenschaften in Laborexperimenten mit kleinen wirbellosen Tieren bereits seit über einem Jahrhundert bekannt sind, hat erst die Entdeckung der planetaren Ringe um den Planeten Baaku im Briar Patch im Jahr 2375 bewiesen, dass eine ausreichend hohe Konzentration auch beispiellos positive Auswirkungen auf humanoide Lebensformen haben kann. […]

Prof. Dr. Lurna et. al. der mediznischen Fakultät der Universität Rixx auf Betazed ist es erstmals gelungen, metaphasische Strahlung in ausreichend großer Konzentration künstlich herzustellen und die positiven Effekte in holographischen Simulationen im Rahmen einer Phase II Studie nachzuweisen. „Die Möglichkeiten sind endlos“ beteuert die Professorin in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag des FNN. „Es war uns möglich Krankheiten und genetische Defekte zu heilen, die bislang nur durch kybernetische Implantate oder durch biosynthetische Ersatzorgane versorgt werden konnten. Metaphasische Strahlung erlaubt es hingegen, die körpereigenen Zellen und Gewebe zu regenerieren… Sei es das Wachstum neuer Sehnerven, die Regeneration geschädigter Gehirnzellen oder das Nachwachsen amputierter Gliedmassen. In einigen Jahren dürfte uns allen die heutige Medizin trotz all ihrer Möglichkeiten geradezu archaisch vorkommen.“ […]

Bereits in wenigen Monaten soll eine Phase III Studie an realen Humanoiden beginnene, um Wirksamkeit und Sicherheit der künstlichen metaphasischen Strahlung mitsamt ihrer medizinischen Anwendungszwecke zu erproben. Wir hoffen darauf, bei unserer nächsten Ausgabe in 6 Monaten mehr hierzu berichten zu können.

 

Artikel 4: Supreme Court erklärt „Verbot genetischer Augmentationen“ für verfassungswidrig

Das Verbot genetischer Augmentationen in der Föderation ist älter als die Föderation selbst. Es hat seine Ursprünge in den eugenischen Kriegen der Erde des 21. Jahrhunderts. Damals versuchten genetisch verbesserte Menschen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Konsequenz war ein Weltkrieg, der die Menschheit an den Rand ihrer Auslöschung brachte. Aufgrund ihres politischen Gewichts bei der Gründung der Föderation gelang es der damaligen Regierung der Vereinten Erde, mit einer knappen Mehrheit das Verbot auch im Föderationsrecht festzuhalten. Eine Entscheidung, die seither regelmässig von diversen Institutionen und Mitgliedswelten kritisiert wurde.

Das Problem hierbei ist, dass im Vorfeld bereits einige Mitgliedswelten genetische Manipulationen nutzten, um der Evolution nachzuhelfen. So unter anderem die Vulkanier, deren hohe Lebenserwartung auf genetische Veränderungen vor mehreren Jahrhunderten zurückzuführen ist. […] Personen, die mit einem genetischen Handicap geboren wurden, haben ein Leben lang Nachteile, obwohl diese Probleme noch vor ihrer Gebut lösbar wären. Dies führte in den letzten 50 Jahren zu einem Anstieg an heimlichen genetischen Manipulationen, die unter nicht-kontrollierten Bedingungen durch Ärzte mit eher zweifelhaftem Ruf durchgeführt wurden. Und häufig zu vermeidbaren Folgeschäden führten. Die Kriminalisierung der humanoiden Gentechnik, welche nicht der Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen dient, hat gemäss einer aktuellen Studie einer der führenden Universitäten Vulkans zu einer ausgesprochen negativen Bilanz geführt, in der der Schaden den Nutzen bei weitem überwiegen soll. […]

Basierend auf besagter Studie haben 45 Mitgliedswelten der Föderation vor 2 Jahren eine Klage beim Obersten Gerichtshof der Föderation eingereicht, welche eine differenzierte Sichtweise auf die humanoide Gentechnik forderte. Und zur Überraschung vieler Experten hat der Supreme Court der Klage stattgegeben und das Verbot für verfassungswidrig erklärt. Die Richter begründeten dies damit, dass das vor über 300 Jahren verabschiedete Gesetz nicht länger zeitgemäß sei. Und es nicht zu rechtfertigen sei, die gewaltigen Fortschritte der letzten Jahrhunderte auf diesem Gebiet mitsamt der potentiellen positiven Effekte für die Mitgliedsvölker der Föderation grundsätzlich zu verbieten, weil eine ihrer Mitgliedswelten in ihrer frühen Entwicklung Fehler gemacht habe, die heutzutage nicht mehr zu befürchten seien. […]

Nun ist der Föderationsrat am Zug. Dieser wurde vom Supreme Court dazu aufgefordert, innerhalb der nächsten 10 Jahre ein neues Gesetz zu verabschieden, welches die Missstände beim bisherigen Gesetz auflöst und die humanoide Gentechnik in einem „vernünftigen Rahmen“ legalisiert. […]